Freitag, 8. Oktober 2021

«Da ist ja Capri! Da ist ja Sorrent! Gerd, hier bleiben wir!»

Effi Briests Worte anlässlich ihrer Hochzeitsreise in Süditalien gaben uns, Reto Moor und mir, die Richtung vor für unseren freien Nachmittag. Die Tore von Pompeij im Rücken, die Zugschienen nach Neapel vor den Füssen der Jungen wissend, verabschiedeten wir uns von der Klasse und tuckerten Richtung Zitronenhaine. Sind Neapel buntes Chaos und Pompeij staunende Ehrfurcht, so ist Sorrent das blühende Paradies hoch über den Wellen des Golfs von Neapel! Man flaniert heute wie vor einhundertfünfzig, ja wie vor zweihundertfünfzig Jahren durch die von Prachtvillen gesäumten Gassen, erfreut sich der dunkelroten Hibiskussträucher, der gelben und orangefarbenen Punkte im grünen Kugelrund und der sich leise im Winde bewegenden Palmwedel. Am besten aber gefiel uns der Blick hinüber nach Capri, unserer Traumdestination, und aufs Meer, hinaus in die Weiten, «da wir denn die herrlichen Ansichten links und rechts neben uns liegen sahen». Der Gegensatz zwischen dem vor Hektik beinahe rauchenden Neapel mit seinem permanenten Hupkonzert und dem lieblichen, sehnsüchtig in die Ferne schauenden Sorrent war für uns mehr als greifbar. Wir erfassten ihn, genossen für ein paar Stunden die Ruhe in Sorrent und bestiegen dann ein Passagierschiff, das uns in die Grossstadt zurückbrachte. STB Zitate aus: Theodor Fontanes «Effi Briest» / Johann Wolfgang Goethe «Italienische Reise Teil II»

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